Praxisabgabe – was tun?
von Kock + Voeste 25. März 2014

Fallbeispiel Zahnarztpraxis

Ausgangslage
Ein Zahnarzt im Alter von 60 Jahren begann mit der konkreten Planung seines Ruhestands. Er bemerkte, dass seine Motivation allmählich nachließ. Bei der Zahnarztpraxis handelte es sich um eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit Fachzahnärzten aus verschiedenen Bereichen, Paradontologie, Implantologie, Oralchirurgie. Die jüngere Kollegin wollte die Praxis weiterführen.
Der Zahnarzt suchte daher eine unabhängige, solide Praxisbewertung in Form eines Gutachtens als Basis für die Kaufpreisverhandlung für die abzugebenden Anteile an der Berufsausübungsgemeinschaft und beauftragte die unabhängige Beratung Kock + Voeste.

Analysieren.
Die Praxis wurde besichtigt. Es folgte u. a. die Inventarisierung inklusive des Vorratsvermögens, die Analyse aller praxisrelevanten Daten aus den vergangenen drei Jahren, des Leistungsverzeichnisses, der Standortsituation, der Marktposition sowie die in der Planung befindlichen Investitionen.

Einige Ergebnisse dieser Phase:
•    Die Praxis ist verkehrsgünstig und zentral gelegen.
•    Die Praxis ist sehr groß, sie hat fünf Behandlungszimmer, einen OP und ein gut ausgestattetes Eigenlabor.
•    Die Fallzahlen liegen durchschnittlich bei 600-700.
•    Die Praxis zeichnet sich insgesamt durch hohe Wirtschaftlichkeit aus.

Optimieren.
Auf Basis der Praxisbewertung entwickelte Kock + Voeste gemeinsam mit dem Inhaber einen Zeitplan für die nächsten Jahre. Die in der Planung befindlichen Investitionen wurden auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft.

Gewinnen.
Der ermittelte Verkehrswert belief sich auf rund 500.000,-Euro. Der Zahnarzt hatte seine Praxis auf „Herz und Nieren“ geprüft. Mit der genauen Analyse und der neutralen Praxisbewertung der Spezialisten hatte er für sich und die möglichen Interessenten eine fundierte Gesprächsbasis geschaffen – optimale Transparenz und Sicherheit für die Planung aller Abläufe und Investitionen der kommenden Jahre.

Fazit:
Praxisnachfolge braucht vorausschauende Planung. Wird zu lang gewartet, sinkt häufig die Motivation der Praxisinhaber, die Patientenstruktur veraltet, wichtige Kooperationsbestrebungen werden vernachlässigt. Der Praxiswert schwindet und im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Praxis zum „Ladenhüter“. In den kommenden Jahren wird die Anzahl der zu veräußernden Praxen aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen drastisch steigen. Deshalb empfehlen Experten wie der für Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige und Steuerberater Christoph Scheen: „Die strategische Ausrichtung sollte etwa 5-10 Jahre vor dem geplanten Ruhestand erfolgen. Für den eigentlichen Prozess der Praxisnachfolge sollte zumindest der Zeitraum von einem Jahr eingeplant werden. Auch Übergangskooperationen können wirtschaftlich interessante Modelle für den Fortbestand von Praxen darstellen.“

Mehr zum Thema finden Sie im Artikel "Zahnarztpraxen morgen – Käufer schon heute verzweifelt gesucht?" Link. Aktuell erschienen im NWB-BB.