Fallbeispiel Praxisgemeinschaft – 20 Jahre Kampf
von Kock + Voeste 16. Oktober 2013

Was tun, wenn die Stimmung schlecht ist? Wenn Konflikte nicht gelöst werden und sich Fronten mehr und mehr verhärten?

Eine fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaft beauftragte Kock + Voeste mit der Erstellung einer Fortführungsprognose. Die beiden Ärzte führten ihre Praxen seit mehr als zwanzig Jahren zusammen.

Ausgangslage
Hintergrund der Beauftragung war einerseits, dass Ärztin A die pekuniären Möglichkeiten nicht mehr ausreichten: Sie sah Liquiditätsengpässe voraus. Ihr Steuerberater bestärkte sie in dieser Einschätzung. Arzt B hingegen sah keine finanziellen Schwierigkeiten. Fakten und Zahlen sollten Klärung bringen.

Analysieren.
„Manchmal ist es etwas schwierig mit den beiden.“, kommentierte beiläufig der Kundenberater den Auftrag. Bereits im Erstgespräch wurde deutlich, dass die Konflikte zwischen den Ärzten massiv waren. Über viele Jahre hinweg hatten sich unzählige Verletzungen, Besserwissereien und Nichtachtungen angesammelt. Die Kommunikation war auf ein Minimum reduziert: Die jeweiligen Helferinnen übermittelten die – ohne Anrede oder Gruß versehenen - Klebezettel zwischen den Ärzten. Längst hatte sich die „schlechte Stimmung“ auch auf Mitarbeiter und Patienten übertragen, was zusätzlich zu Spannungen führte.
Neben der Klärung der wirtschaftlichen Basis wurde die Klärung der zwischenmenschlichen, konzeptionellen Basis beauftragt.

Optimieren.
Kock + Voeste ermittelte die wirtschaftliche Basis der Praxisgemeinschaft unter Einbeziehung aller Praxiskennzahlen. Parallel dazu begann ein Mediationsprozess. Zunächst galt es, eine respektvolle Kommunikationsbasis herzustellen. Spielregeln und Zeitrahmen wurden festgelegt.
Im Verlauf der intensiven Gemeinschafts- und Einzelgespräche stellte sich heraus, dass die Differenzen längst zu „uneinnehmbaren Fronten verhärtet“ waren. Beide Ärzte beanspruchten gleichermaßen für sich, dass der eigene Beitrag in Bezug auf finanziellen Einsatz, Arbeitsleistung sowie Gewinnerwirtschaftung deutlich größer sei als der des anderen. So wollte Ärztin A mit der Unterstützung des externen Beraters ihren Kollegen zu mehr Arbeit und mehr Einsatz überzeugen.
Arzt B hingegen formulierte seinen Anspruch an die Kollegin so: „Sie soll endlich aufhören, mich zu drängen und so schlecht zu behandeln!“ Er suchte ebenfalls im Berater einen weiteren Unterstützer seiner Sache.

Gewinnen.
Die wirtschaftliche Prüfung der Praxisgemeinschaft hatte zum Ergebnis, dass die Befürchtung des finanziellen Engpasses von Ärztin A - wie auch von ihrem Steuerberater vorausgesehen - real war. Im Verlauf des Beratungsprozesses traten erste Zahlungsschwierigkeiten auf. Arzt B hingegen blieb vom finanziellen Druck unberührt, zumal er zusätzlich über gute Reserven verfügte.

Das ursprünglich erklärte Ziel beider Partner, die Konflikte lösen und neue Ansätze für die Zusammenarbeit erarbeiten zu wollen, veränderte sich im Verlauf der Mediation. Zu trennend blieben die Unterschiede in Wertevorstellungen und Perspektiven. Das Ziel, den anderen von der Richtigkeit der eigenen Ansicht zu überzeugen, wich allmählich, bzw. veränderte sich. Vier Sitzungen, fünf Monate später formulierte Ärztin A ihr Anliegen neu: „Wenn du nicht mitziehst und mehr arbeitest, dann gehe ich getrennt von dir meine eigene Wege.“ Es kam Bewegung in die verfahrene, sich im Kreis drehende Situation. War zuvor nur das Handeln des anderen im Blick, rückten nun eigenen Handlungsoptionen wieder in den Vordergrund. Der Konflikt begann sich zu lösen, neue Perspektiven waren eröffnet.


Fazit:
In Kooperationen ist vieles zu beachten: rechtlich, steuerlich, fachlich und zwischenmenschlich. Stimmen Grundwerte und Ziele von Partnern nicht überein, sind Konflikte vorprogrammiert. Oft wird dann so lange verharrt, bis nur noch der (teure) Gang zum Anwalt bleibt.
Konflikte lassen sich mit Mediation sehr kostengünstig und diskret lösen. Das Gesicht kann gewahrt werden – nach außen wie nach innen. Der geschützte Kommunikationsrahmen bringt Klarheit und faire Verhandlungsergebnisse, nachhaltig und beziehungsfördernd.

Mehr zum Thema Ideenskizze Mediation.
Mehr zum Thema Kooperationen.