Das erste Mal Chef? Sieben Grundsätze helfen
von Michael Brüne 16. April 2014

Ein bedeutendes Ereignis, vielleicht im Berufsleben sogar das bedeutendste, ist die Übernahme von Führungsverantwortung. Egal, ob Sie selber vor dieser Aufgabe stehen, oder diese einer/m jungen Arzt/Ärztin übertragen, es ist wichtig, dass Sie einige entscheidende Dinge berücksichtigen, damit die „Übung“ gelingt.

 

1. Grundsatz: Veränderung, nicht um der Veränderung willen

Sofern Sie Ihre Führungsaufgaben neu antreten, sind Sie gut beraten herauszufinden, was bisher im Team gut gelaufen ist. Schauen Sie auf die Stärken einer/s jeden einzelnen Mitarbeiters und auf das, was er auch zukünftig sinnvolles für das Team leisten kann.

Diese "gebremste" Vorgehensweise stellt für viele eine besondere Herausforderung dar, da die neuen Führungskräfte schnell unter Beweis stellen wollen, dass das Vertrauen in sie gerechtfertigt ist. An positiven Veränderung soll man es erkennen. Das ist absolut richtig, aber erst  zu einem späteren Zeitpunkt.

2. Grundsatz: Vertrauen ist wichtig

Damit Sie eine möglichst hohe Akzeptanz bei ihren Mitarbeitern erlangen und wirkungsvoll führen können, ist es wichtig inhaltlich und menschlich von Ihrem Team anerkannt zu werden. Das braucht Zeit.

Früher sagte man: beobachte die ersten 3-4 Monate, bevor Du etwas sagst. Heute besteht häufig der Bedarf nach schnelleren Reaktionen. Nehmen Sie sich trotzdem die Zeit, insbesondere um die sogenannten informellen Führer/innen in der Praxis  ausfindig zu machen und für sich zu gewinnen. Erst dann können Sie sich vertrauensvoll austauschen und gemeinsam mit diesen Mitarbeitern Veränderungen beginnen.

3. Grundsatz:  Gute Fragen helfen

Zur gezielten Sammlung von Informationen helfen häufig gute Fragen, die einzelnen Mitarbeitern gestellt werden oder mit denen Sie kleinere Gruppen herausfordern. Gute Fragen binden die Mitarbeiter in die Prozesse und Entscheidungen ein. Hierdurch werden Veränderungen durch das Team mitgetragen, erhalten eine höhere Akzeptanz und die Bereitschaft, die Umsetzung positiv zu begleiten.

Gute Fragen sind zum Beispiel "offene Fragen". Hierzu einige Beispiele:

-  Was gefällt Ihnen an der aktuellen Organisationsstruktur unserer Praxis besonders gut?

-  Was würden Sie verändern?

-  Wie würden Sie die Stärken unseres Praxisteams beschreiben?

-  Was glauben Sie, wünscht sich unser Patient in punkto Freundlichkeit?

-  Wo hat unserer Praxis bislang gute Erfolge erzielt?

Dies sind nur einige Beispiele. Das Ziel ist es, viele offene Fragen zu stellen, um möglichst viele Informationen zu erhalten. 

Nutzen Sie die Kompetenz Ihrer Mitarbeiter, indem Sie sie als Ratgeber zum Beispiel durch folgende Frage einsetzen: "Angenommen, Sie wären der Berater dieser Praxis und würden folgende Abläufe… vorfinden. Was würden Sie dem/r Inhaber/in empfehlen, als erstes zu tun?

4. Grundsatz: Führen durch Vorbildfunktion

Wenn Sie von Ihren Mitarbeitern ein bestimmtes Verhalten oder eine klar definierte Leistung erwarten ist es wichtig, dass Sie Verlässlichkeit vorleben.

Beispiele:

-  Sofern Sie Pünktlichkeit als hohen Wert vermitteln, seun Sie selber pünktlich.

-  Erwarten Sie offene Kommunikation, müssen Sie diese, insbesondere in schwierigen Situationen, vorleben.

-  Ist es für die Aufgabenwahrnehmung wichtig, einen bestimmten Prozess einzuhalten, sollten Sie sich ebenfalls an dieser Abläufe halten.

5. Grundsatz: Anerkennung, aber auch Kritik

Für Mitarbeiter ist es wichtig, dass gute Leistungen und Ergebnisse von ihrer Führungskraft anerkannt werden. Hiermit ist nicht das permanente Lob gemeint, sondern ehrliche Wertschätzung. Auch wenn häufig der Grundsatz "nicht gemeckert, ist genug gelobt" verwendet wird, wird Ihre Führungsleistung durch offene Anerkennung deutlich wirksamer.

Hierbei ist natürlich wichtig, dass im Umkehrschluss auch Fehlleistungen angesprochen und gegebenenfalls mit Konsequenzen belegt werden.

6. Grundsatz: jeder Mitarbeiter braucht etwas anderes

Menschen sind so unterschiedlich wie der Sand am Meer. Trotzdem gibt es verbindende Merkmale. Das macht die Führung komplex, aber trotzdem beherrschbar. Wichtig ist, dass Sie sich schnell einen Überblick verschaffen, wie die alte Führungskraft gewirkt hat (auch bei Neueinstellungen). Denn insbesondere Führungskräfte, die lange an einem Standort gearbeitet haben, prägen die Abläufe, stillen Gesetze und Erwartungshaltungen häufig stärker, als wir vermuten.

Einfach gesagt: sofern die bisherige Führungskraft funktionsorientiert gearbeitet hat, sind  die Mitarbeiter so eingestellt und geprägt, dass sie über Richtlinien, QM-Handbücher und strenge Einhaltung von Abläufen "funktionieren".  Hier helfen klare Ansagen und zum Beispiel eine wirkungsvolle Kontrolle, durch die die Wertschätzung der Arbeit zum Ausdruck kommt.  Sofern bislang eher menschenbezogen geführt wurde, werden persönliche Ansprache und Empathie eine Bindung zu den Mitarbeitern aufbauen.

7. Grundsatz: Achten Sie auf einen guten Start in der Zusammenarbeit

Als Führungskraft werden Sie von ihren Mitarbeitern gerade zu Anfang sehr genau beobachtet. Ihr Verhalten und Ihre Aussagen werden in der Regel eher kritisch betrachtet, da Ihre Mitarbeiter Sie noch nicht einschätzen können. Deshalb ist es gut, wenn Sie gerade zu Anfang in einen intensiven und menschlichen Kontakt investieren

 

 

 

Schlagworte: Personalführung